Meine Berliner Wacht

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cassiopia85 @ pixabay

Bei dem offenen und anonymen Geheimbund unabhängiger und somit mittelloser Autoren handelt es sich um eine nicht autorisierte Unternehmung, bei welchem ruhelose Schreiberlinge von unterschiedlichen innerstädtischen Punkten aus Berlin im Auge behalten.

– Und das zu wechselnden Zeiten!

Das Ziel dieser unwirtschaftlichen Zeitverschwendung liegt in der Gewinnung eines tief gründenden Eindrucks von der vorherrschenden Berliner Vielschichtigkeit, der allgegenwärtigen Gleichzeitigkeit, dem Kontrast der einzelnen Lebenssituationen und der eigenen Verortung innerhalb dieses atemlosen Treibens und Umherwuselns.

Irgendetwas wirkt hier doch, daß Menschen aus allen Frauenländer sich sogar dazu veranlasst sehen, Flugzeuge zu besteigen und sich den wilder gebärdenden Turbulenzen der höher gelegenen Bereiche des Luftozeans anzuvertrauen, um hier eintauchen zu können.

– Ja selbst im Winter!

Diesem grauen, zugigen Zwielicht, das mich meine Geheimbundaufgaben vollkommen vergessen läßt, um in kuschelige Hobbitbehaglichkeit von Licht, Wärme und bester Lektüre ganze vier Monate abzutauchen. Mit Tee, Lebkuchen und einer Menge Pfeifenkraut.

Doch zum Lenz, wenn ich wieder meine Wacht beziehe, weilen diese Menschen noch immer bestens gelaunt in der Stadt. Und das trotz der vorherrschenden Preise.

Ja, nicht selten sogar in der kurzerhand gekauften Eigentumswohnung.

Bestens vernetzt, wissen sie um die coolsten Kneipen und sind in der Regel zu zwölf geilen Partys in nur einer Woche geladen.

Ich besitze nicht einmal ein digitalisiertes Funktelefon, welches mich spielend mit der Telefonseelsorge verbinden könnte. Vor allem wenn die Nummer eingespeichert wäre.

– Und das nach 18 Jahren Berlin!

Während ich mich also auf meiner nicht verabredeten Wacht befand, die mich erquickt und erdrückt und belustigt und traurig stimmt und stets wieder zu sich ruft, scheint mir etwas sehr Wesentliches durch die Lappen gegangen zu sein.

Aber das ist ja auch bei der Größe Berlins nicht weiter verwunderlich.

Immerhin sollten über zehn Jahre auf meiner Berliner Wacht vergehen, bis ich zum ersten Mal überhaupt einen anderen Autoren traf.

Da denke ich doch, daß sich der Rest dann auch noch finden wird.

Geruede, im Fluß der Geduld

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