Aufbruch in eine gewissere Zukunft

 

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erstellt von Marek Chalabala auf pixabay

Berlin – Brüssel – Grünau; eigener Bericht

Gerd Links, ein 76 jähriger Spätrentner und Zeuge des wohl ungewöhnlichsten Umzugs der Geschichte, weilt noch immer unter ärztlicher Aufsicht.

Gestern früh gegen 4.35 Uhr machte sich Herr Links wie jeden Morgen auf den Weg, um die ersten Brötchen des Tages zu erwerben.

„Det sind einfach die Besten.“, beteuert Links und erzählt daraufhin, was sich weiter zugetragen hat.

Demnach wurde er auf seinem Weg einer Person gewahr, die eiligen Schritts mit einigen Kartons beladen aus einem Hauseingang trat, einige Schritte hinaus auf den breiten Gehweg unternahm und mit einem nächsten Schritt einfach verschwunden war.

Herr Links, von diesem beunruhigenden Vorgang ebenso irritiert wie die werte Leserschaft, blieb unvermittelt stehen und wartete atemlos, wie er später hinzugezogenen Sicherheitskräften gegenüber beteuerte.

Und tatsächlich:

Keine zwei Minuten nach Verschwinden erschien besagter Mieter wieder; nur diesmal in der entgegengesetzten Richtung.

Eilig strebte er dem Eingang zu, ging hinein und erschien abermals, gestapelte Kartons balancierend, keine Minute später, um sich gleich darauf im Einfahrtbereich wiederum in Luft aufzulösen.

Durch die offensichtliche Gespenstigkeit des Vorgangs schwer in den Grundfesten der eigenen Weltsicht erschreckt, suchte Herr Links psychologischen Halt im Wählen des Polizeinotrufs.

Dieter Gernknecht, Polizeikommissar und Einsatzleiter, war mit Kollege Bernd Schwermut der erste vor Ort und beide wurden ebenfalls Zeugen dieses geheimnisvollen Vorgangs.

Nachdem sie zu dem Schluß gekommen waren, daß keine Gefahr von dem Mann und seinen Kartons ausging, näherten sie sich vorsichtig dem Geschehen und sprachen den eiligen Herrn schließlich an.

Wohin er denn immerzu gehe und wozu, wollten die Beamten wissen, wie Gernknecht später gegenüber Pressevertretern einräumte.

„Wir haben es satt! Und hauen ab!“, vernahmen die Beamten noch die zornige Antwort und schon war der Wutbürger abermals fort.

Als er wieder erschien, fragten die Beamten schnell, wohin sie denn ziehen würden.

„Es war seltsam.“, sinniert Gernknecht. „Die Frage schien ihn zu irritieren, denn er blieb stehen und musterte uns ausdruckslos.

Dann, nach einem Moment des Schweigens, antwortete er rotzig knapp:

Auf die nächste Ebene natürlich! Wohin denn sonst?“

Abermals mit einem Stapel wackeliger Kartons beladen, machte sich der Umzügler erneut auf seinen Weg.

Die Beamten versuchten ihn von seinem Vorhaben, einem abermaligen Verschwinden, abzuhalten, doch legte der Zeitgenosse unvermittelt eine ungeahnte Wendig- und Geschmeidigkeit an den Tag, daß er ihnen schlichtweg entglitt.

Mit einem Lachen tauchte er wieder auf, riet den Beamten noch, einfach weniger Fleisch zu essen, bevor er ihnen erneut mit einigen Habseligkeiten beladen, entwischte.

Erst nach dem dritten Greifen ins Leere entschieden sich die Beamten dazu, eine Einsatzhundertschaft hinzuzuziehen.

Auch hatte sich inzwischen eine beachtliche Menschenmenge eingefunden, die das Geschehen gespannt verfolgte und der Meinung der Beamten nach weiter zurückgedrängt gehörte.

Nachdem sich Einsatzkräfte in der ehemaligen Wohnung davon überzeugt hatten, daß die anderen Familienmitglieder offensichtlich die hiesige Realitätsebene bereits verlassen hatten, unternahmen sie noch einige verzweifelte Versuche, den Mann von seiner Abschied nehmenden Tätigkeit abzuhalten.

Doch war der Enttäuschte den im Hiesigen Festverwurzelten stets um eine Nasenlänge voraus; selbst den Durchtrainiertesten.

 

Geruede, positivistischer Grenzdenker

(1.Veröffentlichung war am 15.11.2013 – 10:25:21 Uhr auf blog.de RIP)

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