Jetzt erst Recht! – 2

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rihaij auf pixabay

Während nun also sowohl differenzierendes Denken als auch der respektvolle Diskurs zugunsten einer wirren Vermischung von Empirie, emotionaler Verlorenheit im weiten Meer der Ahnunglosigkeit und plakativ greller Stigmatisierung weicht, verkehrt sich Althergebrachtes rigoros ins Gegenteil, während Nichtigkeiten auf den Bildschirmen der Welt gefeiert werden.

So. Und was sollen wir jetzt schreiben?

Denn das Grundeinkommen ist finanzierbar!

Doch das sagt man uns nicht.

Stattdessen lügt man uns frech ins Gesicht. Hält uns für faul und unmündig; und unwürdig für ein Leben in Würde.

So. Und was sollen wir jetzt schreiben?

Sollen wir uns als Literaten nicht diesen Widersprüchen und Beleidigungen widmen?

Oder doch lieber nur Schönes schreiben?

Erhabenes verfassen, während wir im Elfenbeinturm dem nächsten Huldiger harren?

Für Ablenkung sorgen. Den netten Nervenkitzel für die allabendliche Heimfahrt ausformulieren?

Oder darf es doch etwas Hintergründigeres sein?

Vielleicht sogar mit Tiefgang?

Ein Hauch von Häßlichkeit! Zerrissenheit! In jedem Fall ein überforderter Grundtenor.

Etwas womit sich der Leser in seinem Mitrennleben identifizieren kann.

„Traurig‘ Leben ohne Hund.“ „Ein Fuß hoch und dann weiter.“

Oder doch nur: „Drei Kugeln für einen gewissen Charly.“ ?

Nein! – Ich hab’s! Viel besser:

Konstruktive Katzenvideo – Besprechungen und zwar auf extraordinärem Niveau.

Mein eigener Katzenvideo – Besprechungsvideoblog! – So erreicht man nämlich heute die Menschen. Schmeichelt sich ein, macht sich beliebt und bekannt.

Und dann mit einem Schlag: Der schreckliche Enthüllungsroman, der die ganze Tragweite meines illegalen Katzenbabyhandelsrings und die zugunsten des Katzenvideobesprechungsvideoblogs manipulierten langweilligen Allerweltsvideos auffliegen lassen wird.

Der entrüstete Aufschrei der Weltöffentlichkeit wird mich auf die Titelseiten verschiedener auflagestarker Illustrierter und anderer Schmierblätter bringen.

Talkshowmaster werden der Sache auf den Grund gehen wollen. Ich werde Morddrohungen erhalten und von der Polizei eine Schutzidentität.

Der zweite Roman, in dem ich dann mein Tun auf das Tiefste bereuen werde, ist dann doch bloß noch eine Frage der Zeit.

Er wird aber zugleich auch ein anklagendes Werk sein, der meine eigentlichen Absichten enthüllen und den häßlichen Einkommensdruck beleuchten wird, der mich doch überhaupt erst zu solch einer scheußlichen Tat veranlasste.

Jetzt erst Recht 2 ! – Und zwar mithilfe von vorschnellen Urteilen und Sensationsgeilheit.

Denn der Weg heiligt allenorts die Mittel.

Geruede, nicht er selbst

2 Kommentare

  1. aaah, danke, rüdiger! bin soeben wieder zu hause angelandet und in erwartung meiner enkelschar. den text hast du gestern auch gelesen und ich finde den sprachlich und von der grundidee her ziemlich genial!
    was das grundeinkommen betrifft, da bin ich wohl etwas anderer meinung, aber das ist ziemlich komplex, vielleicht am mittwoch mal mündlich. herzlicher gruß dagmar

    • Das kreative Potential freischalten. Kein Existenzängste mehr. Ich finde, dafür kann man schon mal einen anderen Weg probieren. Außerdem ist die Idee von Wirtschaftsnobelpreisträgern aufgebracht worden und die können bekanntlich rechnen. Das geht schon. Aber ein billiges Arbeitslosenheer ist ein Wirtschaftsfaktor und auch ein Beschäftigungsmotor für die ganze Verwaltung….die würden dann ja nicht mehr gebraucht werden….

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